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Die Auskunftsstelle für Müllbeseitigung


Einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg von Schmidt & Melmer leistete die Auskunfts­stelle für Müllbeseitigung 17, die die Firma 1911 gründete. Die Firmenleitung hatte als eine der ersten erkannt, dass die Gemeinden einer wissenschaftlich fundierten Beratung bedurften, wenn sie ihre Probleme bei der Müllbeseitigung lösen wollten. Diese Bera­tungsstelle nahm ihre Arbeit zunächst unter Leitung des früheren Leiters der Charlot­tenburg Müllverwertung, Civil-Ingenieur Karl M. Meyer auf und war direkt der Müll­abteilung des Werks angegliedert.18 1913 übernahm die Firma selbst die Leitung der Auskunftsstelle. Ab 1923 leitete Dr. Ing. habil. Heinrich Erhard die von Schmidt & Melmer organisatorisch getrennte Beratungsstelle.19 Erhard leistete erfolgreiche Arbeit. Die Werkszeitung der Siegerländer Industrie schreibt 1958 über ihn:

„Er kommt aus dem Bauingenieurwesen und war zunächst Baurat im Kommunal­dienst. Aus dieser Stellung trat er im Jahre 1924 in die Firma Schmidt & Melmer, Weide­nau, ein, um als Spezialist auf dem Gebiet der Müllabfuhr die Stadtverwaltungen bei der Einrichtung einer staubfreien Müllabfuhr zu beraten.

Damals war das heute allgemein eingeführte System der Firma Schmidt & Melmer für die Einsammlung des Haushaltsmülls entwickelt worden und hatte die Hygiene in der Müllabfuhr in jeder Weise weitgehend verbessert. Zur Ausführung weiterer Forschungs­arbeiten und Veröffentlichungen auf diesem Gebiet übertrug die Firma Dr. Erhard die Leitung der von ihr eingerichteten Auskunftsstelle für Müllbeseitigung. Er wurde durch diese Tätigkeit sowie durch Vorträge und Veröffentlichungen ein im In- und Ausland an­erkannter Fachmann auf diesem Sondergebiet. Auch ist es sein Verdienst, daß die Firma Schmidt & Melmer heute über eine einmalige Spezialbücherei verfügt, die interessierte Fachkreise über die Entwicklung und den Stand der Städtehygiene unterrichtet.

In den Jahren 1927 bis 1938 war Dr. Erhard als Privatdozent an den Technischen Hochschulen Berlin und Aachen tätig. In Anbetracht seiner besonderen Fachkenntnisse auf dem Gebiet der Städtehygiene wurde er 1950 Ehrenmitglied des Verbandes Kommu­naler Fuhrparkbetriebe.“ 20

Der Wirkungskreis der Auskunftsstelle der Firma Schmidt & Melmer beschränkte sich bis 1945 „nicht auf deutsche Kommunalbehörden, sondern wurde in erheblichem Um­fang auch vom Ausland, einschließlich Übersee, in Anspruch genommen. Die Arbeit dieser Beratungsstelle hat wesentlich dazu beigetragen, das Vertrauen in die fachliche und technische Leistungsfähigkeit deutscher Fachleute und Firmen und deren Einrichtungen und Geräte auf diesem Gebiete zu stärken“.21 Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass der Auskunftsstelle vereinzelt, aber sicher auch nicht ohne Grund, eine fehlende Unabhän­gigkeit nachgesagt wurde.22 Aus heutiger Sicht kann man die Arbeit der Beratungsstelle wohl als sehr effiziente Lobbyarbeit für Schmidt & Melmer bezeichnen.

1969 wurde das Archiv der Auskunftsstelle von der damaligen „Zentralstelle für Ab­fallbeseitigung“ (ZFA) des Bundesgesundheitsamts aufgekauft und als „Sammlung Erhard“ weitergeführt. Bei der Gründung des Umweltbundesamtes 1974 ging der zu dieser Zeit noch bestehende Teil der Sammlung Erhard aus der ZFA in die Bibliothek des Amtes über. Diese Bestände sind heute in der Fachbibliothek des Bundesumweltamtes in Dessau einzusehen.23

 

 

Weiterlesen: 

→  Die Blechwarenfabrik Schmidt & Melmer, Weidenau (Sieg) - Pioniere der staubfreien Müllabfuhr

→  Aufstieg der Fa. Schmidt & Melmer   

→  Produktion von Müllgefäßen mit Es-Em-System in den 1950er Jahren

Die Auskunftsstelle für Müllbeseitigung

→  Auf dem Höhepunkt

→  Niedergang und Ende der Fa. Schmidt & Melmer

 

 

 

Anmerkungen:

17 Im Folgenden Auskunftsstelle genannt.
18 Vgl Hösel, Abfall (wie Anm. 6), S. 169.
19 Vgl. Silke Zühlke / Claudia Zwarg, Sammlung Erhard. Historische Dokumentation zur Abfallbeseitigung. Hg. v. Umweltbundesamt. Dessau 2005, S. 6.
20 Hans Otto Schwarz, Dr. Heinrich Erhard 70 Jahre, in: Aus dem Siegerland. Werkszeitung der Siegerländer Industrie 8.7 1958, S. 7.
21 Hösel, Abfall (wie Anm. 6), S. 170.
22 Vgl. Windmüller, Kehrseite (wie Anm. 9), S. 56.
23 Vgl. Zühlke/Zwarg, Sammlung Erhad (wie Anm. 19), S. 9.

 




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